Networking-Event am Weltfrauentag im Munich Airport Center

Aus Anlass des Internationalen Frauentags lud das Verbindungsbüro des Europäischen Parlaments in München am 08. März 2019 mit Beteiligung der Flughafen München GmbH unter der Frage „How to boost women in politics & economy?“ zum Networking-Event ins Munich Airport Center ein. 90 Frauen aus verschiedensten Bereichen, darunter einige Gründerinnen, Vertreterinnen aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft folgten der Einladung.

Die EU fördert Projekte, die Frauen unterstützen, die in männerdominierten Branchen, etwa in der Fischerei, im Verkehrswesen, im Handel, bei der Polizei oder in der Politik arbeiten oder in diesen tätig werden möchten. Des Weiteren setzt sie sich gegen Stereotypen ein, die die Beschäftigungsmöglichkeiten einschränken können, sowie gegen geschlechterbedingte Gefälle beim Gehalt und in Entscheidungspositionen. Gleichstellungspolitik, transparente Auswahlverfahren und flexible Arbeitsregelungen können Frauen dabei helfen, die Hindernisse zu überwinden, die verhindern, dass sie in ihrer Laufbahn vorankommen. Das EU-Recht schützt Frauen vor Diskriminierung und Belästigung am Arbeitsplatz und verpflichtet größere Unternehmen, Auskunft über ihre Diversitätspolitik zu geben. Neue Rechtsvorschriften der EU könnten noch weiter gehen und Unternehmen vorschreiben, dass jedes Geschlecht zu mindestens 40 % im Vorstand vertreten sein muss, und die derzeitigen Rechte auf Beurlaubung und flexible Arbeitsregelungen ausweiten. Deswegen ist die kommende Wahl auch aus dieser Perspektive wichtig. Die Anwesenden sahen das auch so, und beteiligten sich unter anderem mit dem Schreiben einer Diesmal-wähle-ich-Postkarte zur Erinnerung an die Wahl am 26. Mai an Freunde, Bekannte und Familie. 

Die Postkarten werden vom Verbindungsbüro des Europäischen Parlaments Anfang Mai pünktlich zur Wahl verschickt. 

Europaabgeordnete Prof. Dr. Angelika Niebler, unter anderem Landesvorsitzende der Frauenunion plädierte für mehr politisches Engagement von Frauen: „Es ändert sich nichts, wenn sich nicht auch genug Frauen dazu bereit erklären, sich aufzustellen. Da muss man dann auch mal konfrontativ auftreten, damit haben noch viele Frauen ein Problem.“

Die Podiumsdiskussion im Anschluss bewirkte einen dynamischen Dialog zwischen Publikum und Diskutantinnen. Gerade das Thema Frauenquote bietet viel Gesprächsbedarf zwischen der Not zur Veränderung einerseits, und der drohenden Stigmatisierung andererseits. Auf das Podium geladen war neben Prof. Dr. Niebler weitere Powerfrauen, darunter Vanessa Haumberger, Leiterin für politische Angelegenheiten am Flughafen München. Sie wuchs in Brüssel auf, und als ihr damals das Angebot gemacht wurde, in der belgischen Hauptstadt das Außenbüro für Corporate Relations und Government Affairs des Münchener Flughafens aufzubauen und in Folge auch zu leiten, zögerte sie nicht. Seit acht Jahren ist sie wieder in München und sagt heute, dass es für die Eigenmotivation sehr wichtig ist, eine Perspektive in Aussicht zu haben.

Ebenfalls dabei war Laura Winterling, Physikerin und ehemalige Astronautentrainerin bei der Europäischen Weltraumorganisation. Sie arbeitete lange in einer von Männern dominierten Arbeitswelt, positioniert sich aber dennoch gegen die Frauenquote: „Wenn ich jemanden in meinem Team habe, dann ist mir nur wichtig, dass es sich um die beste Person für den Job handelt.“

Auch Tatjana Erhardt diskutierte mit. Sie ist CEO und Mitgründerin von nextexitfuture, einer Netzwerkplattform für digitale Transformation. Weil sie mit Routine nicht lange klarkommt und Abwechslung im Berufsleben sehr schätzt, wechselte sie oft ihre Position: IT- Projektleiterin, Vorstandsassistentin, Prokuristin Personalvorstand und Geschäftsführerin einer Versicherung. Als Sie sich für den Schritt bereit fühlte, wagte sie mit sieben weiteren Frauen den Sprung in die Selbstständigkeit. Die Förderung von klugen Ideen - insbesondere von Frauen - ist ihr eine Herzensangelegenheit. Ihr war im Berufsleben die ständige Herausforderung wichtig: „Ich habe nie ein genaues Ziel verfolgt, wollte aber im Job konstant gefordert werden. Ich musste das Gefühl haben: "Es geht weiter!‘“

Die Hintergründe der Teilnehmerinnen waren durchaus unterschiedlich. Wege in den Erfolg gibt es auch für Frauen sehr viele. Nichtsdestotrotz, das kam in der Diskussion auch zur Sprache, haben Frauen in der Arbeitswelt immer noch schwierige Hürden zu meistern. Die Verbindung von Familie und Beruf stellt Frauen oft noch vor größere Herausforderungen als Männer.

Für echte Chancengerechtigkeit muss man in der Erziehung anfangen, so eine Teilnehmerin: „Der Fokus wird bei jungen Mädchen ganz woanders gesetzt, dann heißt es ‚Mensch, was hast du heute für ein schönes Kleid an!‘. Jungen hingegen spricht man direkt auf ihre Stärken an: ‚Das war ja ein Wahnsinnstor!‘ Da muss man reflektieren und überlegen wie wir kommunizieren, und was wir für Perspektiven setzen.“ Neben der Erziehung gibt es aber auch ganz klare rationale Nachteile: „Der bereinigte Gehaltsunterschied von sechs Prozent ist nicht wegzudiskutieren“, so die Europaabgeordnete Prof. Dr. Niebler. Bis heute saß noch nie und sitzt auch jetzt keine einzige Frau in einem Vorstand eines DAX-30-Konzerns.

Zumindest bei möglichen kommunikativen Hürden im Arbeitsalltag wurde am Freitag Abhilfe geschaffen: Die Teilnehmerinnen konnten in einem der drei dazu organisierten Workshops neue Tools erlernen. Auch hier lebte die Gruppendynamik aus der Kommunikation der eigenen Erfahrungen: Bei Macht-Worte, gehalten von der Kommunikationsexpertin Katja Schleicher ging es darum, Frauen hinter das Steuer von Wort und Wirkung zu führen. Dabei analysierte sie feminine und maskuline Kommunikations- und Verhaltensmuster. Es gibt unbewusste Kommunikationsmuster, die gerade Frauen immer wieder adaptieren und damit ihre eigenen Aussagen klein machen.

Bei Durchsetzungsstark statt immer nur nett gehalten von Susanne Westphal, Gründerin des Instituts für Arbeitslust, lernten Interessierte alles über die Sichtbarkeit von Kompetenz und der Wichtigkeit des Wortes „Nein“.

Der Workshop Ein starker Auftritt für starke Frauen: Die Espresso-Generalprobe referiert von Regina Mehler, Gründerin der Women Speaker Foundation vermittelte Kompetenzen der Redekunst und Sympathie.

Während der Workshops und beim anschließenden Lunch konnten sich die Teilnehmerinnen austauschen und neue Kontakte knüpfen. Die Veranstaltung diente unter anderem zur Stärkung des regionalen Frauennetzwerks und war ein voller Erfolg.